Das Dorf Mauche gehörte nicht nur zu den größten, sondern auch den ältesten Siedlungen im niederschlesisch-großpolnischen Grenzgebiet. Seine Geschichte ist von dieser Grenze her zu verstehen. Die ältesten Funde verweisen auf eine Sippensiedlung etwas nördlich des Dorfes, die seit ca. 800 besiedelt war. Der Name des Dorfes Mochy geht auf den slawischen Namen Moch zurück, d.h. es war die Siedlung der Sippe des Moch. nach ca. 150 Jahren wurde diese Siedlung im Sumpf des Obrabruches aufgeben - genau zu der Zeit, als die Piasten ihr Reich aus dem Gnesen-Posener Raum bis nach Schlesien hin ausdehnten.
Es ist zu vermuten, daß sie die Sicherheit dieser Insel im Bruch nicht mehr benötigten, da dieses Gebiet nun den Piasten unterstand, die ihre Herrschaft durch die Starostei Priment sicherten.
Im Jahre 1210 stiftete Herzog Wladyslaw Odonic dem Kloster Pforta in Naumburg/ Saale dieses Gebiet bis hin zum Glogauer Wald. Zu einer Gründung kam es jedoch noch nicht, da das Kloster Pforta anderweitig stark engagiert war, nämlich im Baltikum.
Erst der dritte Versuch im Jahre 1278 brachte den Erfolg. Dabei werden die Dörfer Mochy (Mauche), Stary Dwor (= Altkloster), Zossinida (= Schussenze), Lupica (Lupitze) und Oslonin (Schleunchen) namentlich genannt, d.h. sie haben schon als polnische Siedlungen existiert, die nun mit deutschen Kolonisten aufgefüllt wurden.

Das hier vorliegende Buch befaßt sich mit der Geschichte dieses Klostergebietes, aber nicht nur damit. Der Titel verrät nicht, was noch alles in ihm steckt. Der erste Teil ist eine
Gesamtdarstellung der Großpolnischen Geschichte,
behandelt die Entstehungsgeschichte des Zisterzienserordens
die allgemeine Siedlungsgeschichte vom Mittelalter bis zur Neuzeit
untersucht die Motive und Motivationen der Stifter und Gründer.

Es ist die Geschichte einer Region von der Gründung bis zur Vertreibung.
Von Wielkopolska zur Provinz Südpreußen, den Herzogtümern Warschau und Posen , zur Provinz Posen bis hin zur Grenzmark Posen-Westpreußen und dem Reichsgau Wartheland.
Das ganze wird unterstützt durch eine fundierte Quellenforschung, in über 1000 Fußnoten wird belegt woher die Informationen stammen. Dieses Buch hat eine sehr reichhaltige und weitreichende Bibliographie zum Thema des deutschen Ostens, zudem enthält es neue Quellen, verbindet Schriftgut mit der mündlichen Überlieferung (oral history).

Dieses Buch fungiert nicht nur als Lesebuch, sondern auch als Nachschlagewerk, dazu dienen die zahlreichen Graphiken und Tabellen. Hier werden die allgemeinen Begriffe gesondert geklärt, Listen liefern eine reichhaltige Vielfalt von Familiennamen (+ Ortsnamen in deutsch und polnisch) - ein Quell des Wissens für Familienforscher, die sich mit dem deutsch- polnischen Raum beschäftigen. Hier kann der Laie wie der kundige, der ehemalige Bewohner der deutsch-polnischen Grenzregion etwas finden und zu neuen Erkenntnissen gelangen.

 

POSTKARTE Josephs-Verein Mauche von 1912: das erstaunliche an diesem auch in dem Buch und Titelbild abgebildeten Foto ist die Tatsache, daß bei Befragungen im Dorf und bei ehemaligen Bewohner sich noch über die Hälfte der Personen identifizieren ließen.

Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit dem Zusammenleben von Deutschen und Polen, von Protestanten und Katholiken, wobei hier die Besonderheit zu erwähnen ist, das diese Region von deutschen Katholiken bewohnt wurde. Der Autor versucht zu ergründen, warum es hier überhaupt deutsche Katholiken gab, warum sie nicht wie anderswo auch im Polentum aufgegangen sind. Diese Menschen saßen zwischen allen Stühlen. Die Mehrheit der ansässigen Deutschen betrachtete sie nur als deutsch sprechende Polen, die Polen sie als sprachlich fehl geleitete Landsleute: Niemski Polak. Andererseits sagte man ihnen nach, sie würden stets ihr Fähnchen nach dem Winde drehen, dabei trifft die Kategorie deutsch oder polnische in dieser Region auf die Menschen nicht zu, da sie beides in sich vereinten, quasi das Beste aus beiden Kulturen in sich vereinigten. Gerade heute müßte man das zu würdigen wissen, denn sie lebten in einer multikulturellen Gesellschaft.
Der Rasse- und Vernichtungskrieg der Nationalsozialisten zerstörte eine 700 Jahre funktionierende Lebensgemeinschaft und vergiftete die Seelen und die Erinnerungen, dabei gilt es zu konstatierten: Es gab eine Gemeinsamkeit zwischen Deutschen und Polen.
Dieses Buch belegt und beweist es. Der Autor hat erstmals Kirchenbücher als historisch-soziologisch relevante Quelle ausgewertet - eine Totalerhebung und keine partielle, so daß es zu keinen Verfälschungen durch eine falsche Auswahl kommen konnte. Es wird das soziale Verhalten der Bewohner einer ethnischen und konfessionellen Grenzregion untersucht: wann haben die Menschen geheiratet, wen und warum taten sie es, wie verhielt es sich mit der Nachkommenschaft, wieviele Kinder hatte man, wie hoch war die Sterblichkeit, woran starben die Menschen, wie alt wurden sie. Wie sah die soziale Struktur aus? Wie sah es bei den Bauern aus, den Handwerkern, den Verwaltern. Welche Wanderbewegungen gab es, welche Auswanderungen etc. Und dann die Frage, wie vererbte sie ihren Besitz. Hierzu wurde eine weitere einmalige Quelle ausgewertet: die Grundbücher.

 

POSTKARTE (um 1910): die Kapelle (heute im Kirchenbau integriert) und die sogenannte rote Schule (die 4. Schule im Dorf, auf (Guts-) Fliegers Land gelegen)

Dieses Buch stellt eine lebendige, gut lesbare Beschreibung des Lebens dar und ist doch auch eine Dissertation. Der Autor hat bewußt auf eine hochtrabende wissenschaftliche Sprache verzichtet, da sich dieses Buch vor allem an eine einfache Leserschaft richten sollte, an Menschen, denen das Schicksal eine höhere Ausbildung meistens verwehrt hat.

Die bisherigen Reaktionen reichen von Enttäuschung darüber, daß ihr Dorf so wenig Erwähnung findet, bis zur Begeisterung und Bescheinigung, das all das, was da wissenschaftlich belegt worden ist, sich auch mit der gelebten damaligen Realität deckt. Und das ist das größte Lob für einen Wissenschaftler, das er Recht hatte, der Wahrheit und Realität gerecht wurde und den Lesern neue Erkenntnisse brachte und eine Freude gemacht hat.

Daß dieses Buch gut ist, zeigen die Verkaufszahlen. Nach nur einem Vierteljahr war bereits mehr als die Hälfte der Auflage des Autors verkauft, und zu den Käufern zählten nicht nur ehemalige Maucher, Lupitzer, Leute aus den Kreisen Bomst und Fraustadt, sondern auch Familienforscher, die sich für die neuartigen Analysetechniken interessierten, bis hin zu historisch interessierten, ortsfremden Menschen, die bis aus dem Raum Pommern und Westpreußen  stammten und ihre Lebenserfahrungen darin wiederfanden. Angesichts der doch sehr begrenzten Thematik und dem fehlenden Wissen über die Existenz dieses Buches ist das ein erstaunlicher Erfolg. Der Erfolg spricht sich langsam herum und in Polen wird bereits an einer Übersetzung für den polnischen Lesermarkt gearbeitet.

 

POSTKARTE: Jungfrauenverein in Altkloster, Mai 1917.  Die Gefallenengedenktafel der Einheitskriege im Hintergrund wurde erst nach 1945 entfernt, als man alle deutschen Spuren in Polen zu beseitigen trachtete.

Einen Makel hat dieses Buch jedoch in den Augen vieler Leute: der Preis von 38 Euro, doch soviel kosten die kleinen Auflagen. Und dazu muß noch betont werden, daß der Autor aus diesem Grunde auf seinen eigenen Lohn verzichten mußte, denn ansonsten wäre noch ein preislicher Aufschlag von 4 Stunden Arbeitslohn pro Buch zu veranschlagen. Aber das Ziel war es, dieses Buch an den Leser zu bringen und auf Synergien zu hoffen.

Eine zweite Auflage ist nicht geplant, da der Kundenkreis zu klein ist. Aber eine Ausweitung der Forschung als lokalgeschichtliches Werk der gesamten Region, quasi als Non plus ultra, ist als Abschluß dieser Arbeiten angedacht, denn mit dem Ende der Dissertation ging es erst richtig weiter und das Interesse für diese Arbeit hält an, und solange es noch Menschen aus dieser Region gibt, die ihr Wissen und ihr Material nicht der Vergessenheit anheim fallen lassen wollen, werde ich weiter machen.

Wenn Sie an meinem  (Lebens-) Werk interessiert sind, teilen sie es mir mit: an meine Anschrift oder an folgende E-Mail Adresse:

Sprungala@web.de

Danke für Ihr Interesse.